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Workshops

In drei geplanten Workshops sollen die Beteiligten zunächst die naturschutzfachlichen Grundlagen sowie die Bedürfnisse der jeweils anderen kennenlernen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Positionen identifizieren und schließlich gemeinsam Lösungsmöglichkeiten erarbeiten. Hier sollen nicht nur die Sport- und Naturschutzverbände, sondern auch die betroffenen Gemeinden sowie die Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer zu Wort kommen, ohne die keine Wegeführungen oder andere Maßnahmen möglich sind. Die Workshops sind nicht öffentlich. Eingeladen werden insbesondere die Mitglieder aus dem Projektarbeitskreis.

Der zweite Workshop fand am 20.05.2015 statt. Die Ergebnisse sind in der Begleitinformation zur Kommentierungsphase festgehalten:

Wichtiger Zwischenschritt zur Erhaltung des Isartales

Während des Workshops am 20. Mai 2015 im Bürgerhaus Pullach diskutierten rund 40 Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Interessensgruppen den Entwurf eines Lenkungskonzepts, das Mountainbiken in sensiblen Naturräumen unterbinden, dafür in naturschutzfachlich weniger empfindlichen Bereichen auf festen Routen erlauben soll.

Beim Workshop wurde der Lenkungskonzeptentwurf diskutiert, der in folgender Karte dargestellt ist. Die Ergebnisse der Diskussion und die vorgeschlagenenen Maßnahmen sind in der Begleitinformation und Workshopdokumentation zusammengefasst.

Mit dem aktuellen fachlichen Kompromiss zum Mountainbiken liegen nun erstmals konkrete Vorschläge zur Umsetzung der Resolution vor. Um sensible Bereiche zu beruhigen und scheuen Tieren Rückzugsräume zu verschaffen, sollen besonders naturnahe Schlucht- und Auwälder, wichtige Lebensräume für Vögel, Amphibien und Reptilien sowie Bereiche mit großen Mengen an stehendem und liegendem Totholz als „Ruhezonen“ klassifiziert werden. Dazu gehören beispielsweise die Isarleite zwischen Tierpark und Großhesseloher Brücke, das Umfeld des Naturwaldreservats an der Geuderleite sowie die Altbaumbestände rund um bzw. südlich des Georgensteins. In diesen Bereichen sollen die Freizeitaktivitäten abseits markierter Wege in Zukunft eingeschränkt werden. Für Mountainbiker sollen die Ruhezonen generell tabu sein. Im Gegenzug dazu wurden in naturschutzfachlich weniger kritischen Bereichen Mountainbike-Routen auf beiden Seiten der Isar zur Nutzung für den beliebten Freizeitsport vorgeschlagen.

Im Juli 2015 wurde dieser Lenkungskonzeptentwurf der Öffentlichkeit zur Diskussion gestellt. Interessierte konnten an dieser Stelle Anregungen und ihre Einschätzung des vorliegenden Entwurfs mit Hilfe eines Kontaktformulars einbringen. Wir bedanken uns bei Ihnen für Ihre zahlreichen Kommentare!
Diese werden nun ausgewertet und fließen – wo fachlich sinnvoll – in die Abwägung ein. Wir werden Sie zeitnah darüber informieren.

Für Routenabschnitte, bei denen im Rahmen des Workshops und der aktuellen Kommentierungsphase keine Einigung erzielt werden kann, müssen in der Folge noch Lösungen gefunden werden. Ein wichtiger Schritt dazu war ein gemeinsamer Ortstermin von Vertreterinnen und Vertreter der Unteren Naturschutzbehörden, der Naturschutz- und Mountainbikeverbände, der Gemeinden und weiterer Ämter Ende Juli 2015. Desweiteren finden in den nächsten Wochen noch Sichtungen einzelner Abschnitte statt.


Der erste Workshop fand am 08.11.2014 statt:

Vernunft- oder Liebesheirat?

Am Samstag, den 8. November 2014, trafen sich Vertreterinnen und Vertreter von Sport- und Naturschutzverbänden, Grundeigentümern, Gemeinden und zuständigen Behörden zu einem Workshop in den Räumlichkeiten des Kreisverwaltungsreferats in der Ruppertstraße. Gemeinsam und in Kleingruppen diskutierten sie darüber, wie viel Freizeitnutzung der Naturraum im oberen Isartal südlich von München verträgt, ohne dauerhaft Schaden zu nehmen. Das Treffen wurde im Rahmen des vom Bayerischen Naturschutzfonds geförderten Projekts „NaturErholung Isartal im Süden von München“ organisiert, das bis 2017 unter der Trägerschaft des Landratsamts München und der Landeshauptstadt München ein Lenkungskonzept für ein verträgliches Miteinander von Freizeitnutzung und Naturschutz im Isartal erarbeiten soll.

Während im Foyer des Kreisverwaltungsreferats die Sektgläser einer Hochzeitsgesellschaft vor dem Standesamt klirrten, versammelten sich im Sitzungssaal knapp 30 Personen, um über die Zukunft des Isartals zu sprechen. „Wir freuen uns, dass Sie Ihren Samstag opfern, um mit uns an Lösungen für ein verträgliches Miteinander von Naturschutz und Freizeitnutzung im Isartal zu arbeiten“, so begrüßte Dr. Stefan Fiedl von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt München die Teilnehmer. „Vielleicht gelingt es uns am Ende des Prozesses sogar, einen Ehevertrag zwischen Naturschützern und Mountainbikern zu schließen“, fügte er in Anspielung auf die räumliche Nähe zum Standesamt hinzu. Doch nach einer Liebesheirat sieht es derzeit noch nicht aus – eher nach einer Vernunftehe. Die unmittelbar an die Münchner Stadtgrenze angrenzende Naturlandschaft im Isartal hat zwar eine hohe Bedeutung für die Naherholung der Münchner Bevölkerung. Aber Naturschutzbehörden und -verbände befürchten eine weitere Gefährdung der Lebensräume und Artenvielfalt und damit einen Verstoß gegen geltendes Naturschutzrecht, wenn die Freizeitnutzung künftig nicht besser kanalisiert und reglementiert wird. Um allzu drastische Einschränkungen zu vermeiden, beteiligen sich die Münchner Sportverbände schon seit Längerem sehr konstruktiv an dem Dialog, aus dem am Ende idealerweise beide Seiten als Gewinner hervorgehen sollen.

Der Workshop zeigte, dass es durchaus Gemeinsamkeiten in den Positionen gibt. Auch den Sportverbänden liegt der besondere Naturraum Isartal sehr am Herzen. Sie wollen die Trails abseits der Forstwege zwar weiterhin gerne nutzen, zeigen aber Verständnis dafür, dass die Natur dabei nicht zerstört und Arten aus ihrem angestammten Lebensraum verdrängt werden dürfen. Es bestand Einigkeit zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Workshops, dass das bestehende Wegenetz ausgedünnt werden muss. Allerdings forderte Axel Rücker von der M97 des Deutschen Alpenvereins, dass Wegesperrungen nicht nur für Mountainbiker oder Trailrunner erlassen werden dürfen, sondern auch für andere Erholungssuchende wie Wanderer oder Spaziergänger mit Hunden gelten sollten. Zudem sollten die erlaubten Wege so befestigt und entwässert werden, dass Mountainbiker im Gelände künftig deutlich weniger Spuren als bisher hinterlassen. Rücker stellte in Aussicht, dass die Sportverbände den Wegebau aktiv unterstützen würden. Katharina Spannraft vom Landesbund für Vogelschutz dagegen betonte die Notwendigkeit eines Rückbaus von Wegen, um Ruhe- und Rückzugsräume für sensible Tierarten zu schaffen. Eine komplette Sperrung der Isartrails hält jedoch auch sie für keine praktikable Lösung. Wenn jedoch durch freiwillige Vereinbarungen keine Verbesserung der Situation erreicht werden sollte, plädiert sie für die Sperrung der Trails und ganzjährige Kontrollen durch die Naturschutzwacht, die zudem mit mehr Kompetenzen ausgestattet werden sollte.

Werden in Zukunft Trails für Mountainbiker offiziell freigegeben, müssten diese zunächst legalisiert werden, gab Wilhelm Seerieder vom Forstbetrieb München zu bedenken. Seines Erachtens müsste es einen Träger geben, der die Wegesicherungspflicht übernehmen sowie für den Unterhalt der Trails und die Wegemarkierung sorgen würde. Denkbar wäre beispielsweise ein Zweckverband, in dem sich Gemeinden, Grundeigentümer sowie Sport- oder Tourismusverbände zusammenschließen. Michael Wagner (Landratsamt München, Untere Naturschutzbehörde) vertrat mit einigen anderen Teilnehmern die Auffassung, für den Fall der Freigabe eines Trails müsse darauf geachtet werden, gefährliche steile Felshänge oder Zonen mit hohem Totholzanteil zu meiden. So könnten Naturgefahren vermieden und   Verkehrsicherungsmaßnahmen auf ein Minimum beschränkt werden.

Am Ende des Tages lobte Klaus Alt vom Landratsamt München die hohe Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten und den guten Umgang miteinander. Er bat die Anwesenden, sich auch weiterhin konstruktiv in den Prozess einzubringen. Der nächste Workshop ist für April 2015 geplant. Bis dahin sollen diverse Veranstaltungen im Winterhalbjahr das Bewusstsein für die Sensibilität des Naturraums im Isartal schärfen und Verständnis für die Bedürfnisse der jeweils anderen Interessensgruppen wecken. Gleichzeitig erarbeitet das Planungsbüro ifuplan erste Vorschläge für potentielle Routen für Mountainbiker und Trailrunner, welche die sensiblen Arten und Lebensräume im Isartal möglichst wenig beeinträchtigen. Auch erste gemeinsame Ortsbegehungen zu konkreten Themen sind geplant. Vielleicht wird aus der Vernunftehe am Ende doch noch eine Liebesheirat, wenn sich Uhu, Waldlaubsänger und Co. in beruhigten Zonen entfalten können, während Mountainbiker ihrem Hobby auf einem reduzierten, dafür aber gepflegtem Wegenetz nachgehen können, ohne durch Matsch und Pfützen fahren zu müssen.